Eine Kritik an der Eventkultur

Fun ist ein Stahlbad.
Die Vergnügungsindustrie verordnet es unablässig.
-- Theodor W. Adorno

Es ist Freitag Morgen und du bist in der Schule oder auf der Arbeit. Eigentlich solltest du dich konzentrieren aber irgendwie klappt das nicht so richtig, denn in deinen Gedanken bist du schon längst im Wochenende. Jetzt heißt es nur noch warten auf Feierabend. Dann kann es los gehen: Parties, Konzerte, Kino, Sport und was dir sonst noch so alles Spaß macht steht jetzt auf dem Programm. Du brauchst eindeutig Abwechslung und tauchst ein in die Erlebniswelt. Ein gutes Feeling ist dabei wichtig: Freunde, Unterhaltung und ein möglichst vielseitiges Programm, mit jeder Menge Action, denn die Zeit ist knapp und Montag fängt der graue Alltag schon wieder an. Aber das ist kein Problem für dich, denn die Vergnügungsindustrie hat immer genau das Richtige für dich parat. Du hast die freie Wahl zu tun was dir gefällt. Doch die Sache hat einen Haken: Das Erlebnis muss gekauft werden. Hast du gerade kein Cash, ist Langeweile angesagt.

Aber warum eigentlich? Du könntest doch trotzdem was machen. Ach ja stimmt, deine ganzen Freunde sind ja unterwegs feiern und alleine ist es langweilig.

Genau wie neue Klamotten oder Handys, ist auch das Erlebnis konsumierbar. Du suchst dir einfach das aus, was am besten zu dir und deinen Freunden passt. Denn es macht ja nur Spass, wenn du es mit anderen erleben kannst. Aus diesem Grund ist das Pflegen sozialer Kontakte zwangsläufig an den Konsum geknüpft. Kannst du an einem Event nicht teilnehmen, bleibt dir auch der Zugang zu Freunden und Geselligkeit verschlossen. Außerdem hast du nicht nur den Moment mit deinen Freunden verpasst, sondern kannst dich auch danach nicht mit ihnen darüber unterhalten.

Dies ist auch das Ergebnis der New Yorker Journalistin Judith Levine, die in einem Selbstversuch beschloss nur noch das Nötigste zu konsumieren. Sie verzichtete ein Jahr auf Kino-, Konzert-, und Kneipenbesuche. Ihr Fazit spricht eine eindeutige Sprache: „Außerhalb der Konsumwelt zu existieren bedeutet, in einer parallelen Realität zu leben, die mit der meiner Freunde und Kolleginnen nichts gemeinsam hatte.“ Und das, obwohl sie einfach nur keine kommerziellen Angebote mehr wahr nahm. Dies zeigt, dass es eigentlich keinen öffentlichen Raum mehr gibt, in dem nicht konsumiert werden muss. Du brauchst also nicht nur Geld, um deine Miete, dein Essen und dein Auto zu bezahlen, sondern vor allem, um überhaupt am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Besonders in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit und zunehmend unsicherer Beschäftigungsverhältnisse eine bedenkliche Entwicklung, oder?

Doch die Kritik an dieser Konsum- und Vergnügungsgesellschaft stellt auch die Frage nach den Ursachen für den Wunsch nach so viel Abwechslung und Unterhaltung. Das Leben ist schließlich kein Ponyhof, wie es so schön heißt und kriegen wir nicht immer gesagt die Jugend sei unmotiviert, und zu wenig engagiert. Also was soll den nun diese ganze Feierei eigentlich? Diese Frage lässt sich am besten beantworten, indem man sich selbst die Frage stellt, wie es ohne Party, Kino oder Zocken wäre. Es wäre schlicht und einfach langweilig. Wer fünf Tage die Woche die selben Menschen um sich hat, sich mit Leistungsdruck oder eintöniger Arbeit rumschlagen muss, der hat wenig Kapazität und Lust sich auch noch an seinen freien Tagen ehrenamtlich zu engagieren.

Um diesen Problemen entgegen zu wirken, ist es wichtig Räume zu schaffen in denen frei von Konsumabhängigkeit, Platz für Austausch, kreative Projekte und Lebensgestaltung ist, denn Mitgestaltungsrecht und Selbstbestimmung sind Erlebnisse, die einem niemand verkaufen kann.

In diesem Sinne: Für ein selbstbestimmtes Leben und unkommerzielle Freiräume in jeder Stadt.