Pädagogik und Selbstverwaltung, geht das?

Eine häufiger Kritik der Jugendzentrumsbewegung ist/ war, dass Pädagog_Innen ihre Macht als Angestellte in kirchlichen oder städtischen Juzen ausnutzen, um bestimmte bürgerliche Vorstellungen zu reproduzieren. In den meisten Fällen stimmt diese Kritik an den Pädagog_innen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Sie können nicht frei arbeiten, denn bestimmte Zwänge, in Form von gesetzlichen Regelungen, untergraben ihre meist guten Absichten. Dies können schon Kleinigkeiten sein wie Öffnungszeiten, Rauchverbot oder die Angebotsstruktur. Viele reflektieren diesen Zustand nicht und ziehen nicht die richtigen Schlüsse daraus. Pädagog_Innen dürfen sich politisch nicht äußern, tun sie dies ist der Job meist in Gefahr — wie also können Pädagog_Innen in ihrem Beruf Jugendliche und junge Menschen unterstützen und nicht gleichzeitig Hierarchien aufbauen?

Pädagogik ist an sich nichts Verwerfliches: viele Sozialpädagog_Innen/ Sozialarbeiter_Innen besitzen Fertigkeiten, die auch in selbstverwalteten Jugendzentren gebraucht werden. (z.B. Büroarbeit, Rechtliches Kernwissen, Konfliktbewältigung, Organisationstalent, etc.) Diese Fähigkeiten können die Pädagog_Innen meist nur einsetzen, wenn sie nicht in der Lohnarbeit sind. Dies bedeutet daher, dass der Pädagoge außerhalb seiner Arbeit sich engagieren muss um dort relativ autonom arbeiten zu können. Dies kann bei der Unterstützung von Jugendlichen an Selbstorgansationsprozessen oder eine gewerkschaftlichen Organisierung im Sozialen Sektor sein. Die wirkliche gesellschaftlichen Verbesserungen und Veränderungen statt finden und nicht nur minimale Verbesserungen zu erreicht werden.

Eine andere Möglichkeit die Macht- und Wissenhierarchien des Pädagogen zu reflektieren und verringen hat sich im Saarland gezeigt. Seit über 30 Jahren gibt es im Saarland einmalig in der ganzen BRD ca.300 selbstverwaltet Jugendzentren die in einem „ Dachverband“ vernetzt sind. Eine weiter Besonderheit ist es das über denn Dachverband „Jukuz Untied“ sechs Pädagog_Innen angestellt sind. Die meisten haben eine stelle als politische Bildungsreferent_Innen. Diese Pädagog_Innen arbeiten nicht jeden Tag in Jugendzentrum sondern kommen meist nur für bestimmtes Projekt wie Drogenprävention, Medienpädagogik und Konfliktbewältigung ins Juz. In einigen Juzen sind sie daher nur einmal im Jahr. Diese zeitlich und personelle Einschränkung führt dazu das Selbstorgansationsprozesse von Lohnarbeit weniger gestört werden.

Ist also im Saarland paradiesische Zustände für Jugendliche und Pädagog_Innen? Weit gefehlt zwar kann der Dachverband mit seiner professionellen Struktur Jugendlichen halt geben und auch Schließungen von Juzen verhindern. Nicht desto trotz kann der Dachverein Jukuz Untied nicht autonomes Zentrum spielen und muss sich auch an bestimmte Rahmenbedingungen halten. Trotz einer großer Freiräume begreifen eine Minderheit der selbstverwaltet Jugendzentrum sich als politische Projekt vielmehr wird Selbstverwaltung in den Rahmen bürgerlicher Gesellschaft gerückt um dort positive Eigenschaften wie selbständiges Arbeiten, Verantwortungsbewussten und Kreativität in die kapitalistischen Zustände zu integrieren . Eine politische Emanzipation für Jugendliche und Pädagogen findet daher kaum statt.

Wie kann man also die positiven Erfahrungen aus dem Saarland mit Pädagogen und der selbstverwalteten Jugendzentren ohne Pädagogen verbinden. Zuerst müsst man aus dem geschichtlichen Kontext der Jugendzentrumsbewegung reflektieren zusammen tragen, analysieren und vernetzet werden. Das positive wie negative Erfahrungen ausgetauscht werden. In den 70er Jahren gab es eine Bundesweite Koordination der selbstverwalteten Jugendzentren sowie Treffen. Eine Wiederbelebung solcher Strukturen wäre eine Chance solche Themen intensiv zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Die Vereinzelungen von sozialen Kämpfen und Projekten macht es meist für Politiker_Innen einfach solche emanzipatorischen Räume wieder zu schließen.