Widerstand gegen das NS-Regime: Die Edelweißpiraten

Wie die Edelweißblume, die noch in lebensfeindlich hohem Gebirge wächst, in der keine andere Blume mehr überleben kann, gab es auch in der Zeit des Naziregimes Nieschen, in der die Freiheit noch nicht ganz erstickt war. Es gab Menschen, die sich ihre Selbstbestimmtheit nicht nehmen lassen lassen wollten und nicht zusehen wollten, wie jede_r, der/die nicht in das starre Bild der Nationalsozialisten passte, gedemütigt, verfolgt oder ermordet wurde. Viele Jugendliche konnten sich mit den Idealen, die sie in der Hitlerjugend oder im Bund deutscher Mädel lernten, nicht identifizieren. Sie lehnten eine Erziehung zum absoluten Gehorsam ab und schlossen sich anderen Jugendgruppen, die offiziell seit der Machtübernahme Hitlers 1933 verboten waren. Ihre Namen waren Navajos, Kittelbachpiraten, Edelweißpiraten oder Nerother und waren sehr von der naturbezogenen bündischen Jugend geprägt. Als Eekennungsmerkmal trugen sie auffällige Kleidung, wie karrierte Hemden, bunte Halstücher oder weiße Kniestrümpfe, gingen gemeinsam auf Wochenendfahrten in die Natur und sangen ihre eigenen Lieder, die von Freiheit und Treue handeln.

Unter diesen Gruppen setzten sich die Edelweiß besonders aktiv gegen die Nazis zur Wehr. Ihre regelmäßigen Treffen in Parks oder an Luftschutzbunker ließen sie sich durch die Streifendienste der Hitlerjugend, später auch der SA, nicht verbieten. So kam es oft zu Auseinandersetzungen, die nicht selten in Schlägereien endeten.

Je länger der Krieg andauerte, desto perspektivloser schauten die Jugendlichen in ihre Zukunft. Die Angst, in einen aussichtslosen Krieg einberufen zu werden, führte gerade in dem Jahr 1942 zu einem großen Andrang auf illegale Gruppen, wie den Edelweißpiraten. In Köln beispielsweise, trafen sich täglich an jedem Bunker in der Stadt mindestens eine dieser Gruppen.

Auch die Aktivitäten veränderten sich mit dem Andauern des Krieges. Während anfangs noch die gemeinsamen Treffen und Wochenendfahrten im Vordergrund standen, wurde nun immer mehr aktiver Widerstand gegen das Naziregime geleistet. Unter der Gefahr ihres Lebens schrieben sie nazifeindliche??? Parolen an Hauswände oder an Züge. Sie klebten Flugblätter an gut sichtbaren Stellen überall in den Städten auf mit dem momentanen Kriegsverlauf. Informationen darüber holten sie sich, indem sie heimlich ausländische Radiosender wie BBC London hörten.

Um das Kriegsende zu beschleunigen betrieben viele Edelweißpiraten Sabotage. Sie beschädigten Werkezeuge, die an die Front geschickt wurden oder ließen mit Munition geladene Züge entgleißen.
Bei diesen Aktionen waren meist nur kleine Gruppen eingespannt, die kaum Kontakt zu anderen Widerstandskämpfer hatten. Meistens wurde nicht sehr lange geplant und diskutiert, sondern spontan gehandelt. (So gerieten viele Edelweißpiraten durch Leichtsinn und mangelnde Planung in oft gefährliche Situationen. Auf der anderen Seite fiel der Gestapo die Verfolgung sehr schwer, da es nie lange Vorbereitungen gab und kaum außenstehende Personen eingeweiht wurden.)

Später, als viele Gruppenmitglieder aus Angst vor Verfolgung in die Illegalität tauchten, sahen sie sich mit dem Problem konfrontiert, an Essen heranzukommen. Denn während des Krieges brauchte man Lebensmittelkarten um sich seine Tagesrationen kaufen zu können. Wer im Untergrund lebte, erhielt diese nicht mehr über den legalen Weg. So brachen einige Edelweißgruppen, mit Konservendosen beladene Güterzüge auf, und verteilten diese untereinadner und an Menschen, die an Hunger litten. Gerade osteuropäische Kriegsgefangene erhielten immer wieder Unterstützung von den Jugendlichen.

Doch all dieses geschah in einer Zeit der Unterdrückung und der Überwachung nicht ohne Folgen. Immer wieder wurden Gruppenmitglieder verhaftet. In Gefangenschaft wurden sie von der Gestapo verhört und gefoltert um Informationen über die Strukturen der Edelweißpiraten zu erfahren. Viele der Jugendliche wurden in Konzentrationslager gebracht oder hingerichtet.

Das Bild, das die Nazis über die Edelweißpiraten verbreiteten, sie seien nur eine kriminelle Jugendbande, blieb noch Jahrzehntelang in den Köpfen der Bevölkerung bestehen. Erst im Jahr 2005 wurden sie als Widerstandskämpfer anerkannt. Jedoch kam dies zu spät. Durch das große Unverständnis der Menschen auch nach dem Nationalsozialismus zogen sich die Überlebenden immer mehr zurück und verschwiegen ihre Erlebnisse des Widerstandes. So schaffte es Fritz Theilen als erster Überlebender der Edelweißgruppe 1984 seine Geschichte in einer Autobiografie niederzuschreiben. Leider ist er damit einer der wenigen, die dies geschafft haben. Viele andere verschweigen wegen der mangelnden Aktzeptanz in der Bevölkerung ihre mutigen Taten als Widerstandskämpfer im dritten Reich. Deswegen ist es heute wichtig, die Geschichte dieser Menschen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wenn wir uns mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem der Widerstandes auseinandersetzen, dürfen die Edelweißpiraten nicht ausgelassen werden. In diesem Sinne haben wir uns dafür entschieden, dem Hausprojekt den Namen einer Edelweißpiratin zu geben und in einer Ausstellung die Möglichkeit zu geben, mehr über diese außergewöhnlichen Menschen mehr zu erfahren.

Chaoze One feat. Lotta C. / Edelweißpiraten sind treu